Am 1. Mai dieses Jahres hielten ArbeiterInnen verschiedenster Bereiche eine Kundgebung in Saghez ab, um für mehr Arbeitsrechte zu demonstrieren. Die Polizei griff die friedlichen DemonstrantInnen an und 40-50 von ihnen. Die meisten der völlig unschuldigen ArbeiterInnen waren den Qualen des Gefängnisses nur eine kurze Zeitspanne ausgesetzt, gegen sieben Aktivisten wurde jedoch Anklage erhoben. Diese Kollegen stehen jetzt am 23. September vor Gericht. Sie brauchen dringend unsere Solidarität!
Anfangs hatten sich die DemonstrantInnen laut Anklageschrift der Teilnahme an einer "illegalen Versammlung" schuldig gemacht, doch in späterer Folge wurde die Anklage um den Vorwurf der Mitgliedschaft an einer verbotenen linken, kurdischen Organisation erweitert. Vier von den sieben Verhafteten wurden dennoch entlassen. Die anderen drei Arbeiter hielten elf Tage lang einen Hungerstreik durch, um auf Bewährung freizukommen. Dies schafften sie letztendlich, jedoch hatten sie aufgrund der Folterungen ernsthafte Blutungen im Bereich des Magens. Die Gerichtsverhandlung wurde in der Folge von Ende August auf Ende September verlegt.
An diesem konkreten Beispiel lässt sich gut erkennen, auf welch hinterhältige Weise das Regime im Iran versucht, die Arbeiterschaft zu schwächen. Als wären Lohnkürzungen, Unterbezahlung etc. nicht genug, setzt es noch dazu voll auf staatliche Repression. Doch beginnen wir am Anfang. Suchen wir den Schuldigen für so viel Leid auf der Welt. Die Antwort ist einfach der Kapitalismus. In ihrer Resolution zum 1. Mai schrieben die Arbeiter von Saghez: "Der Kapitalismus steckt in einer Krise, tiefer denn je. Die Periode, wo sich der Kapitalismus noch Zugeständnisse an das Proletariat leisten konnte, ist vorbei. Er attackiert immer mehr und mehr seine Basen, welche die Arbeiterschaft ist. In Krisen geratenes Kapital ist behaftet mit permanenten Krisen. Es kommt zu massenhaften Entlassungen sowie Attacken auf die Lebensstandard. ... Im Iran ist die Situation besonders tragisch. Indem er sich auf einen reaktionären Staat stützt, der den Arbeitern ihre Rechte verweigert, hält der Kapitalismus die Löhne niedrig und vernichtet Arbeitsplätze. Wegen der niedrigen Löhne sowie dem niedrigen Lebensstandard müssen ArbeiterInnen oft Überstunden machen und in vielen Fällen verschiedenste Nebenjobs annehmen." Immer wieder setzen die Kapitalisten auf brutale Gewalt gegen die Arbeiterschaft. Schon im Jänner dieses Jahres kam es in Khatoonabad zu einem ähnlichen Vorfall wie heuer am 1. Mai. Dabei wurden vier ArbeiterInnen einer Kupfermine sogar erschossen.
Hier nun noch einige harte Fakten:
- Im letzten Jahr starben 2 Arbeiter einer Autofabrik wegen zu hoher
Arbeitsbelastung und durch erzwungene Überstunden.
- Staatliche Fabriken werden vermehrt an Private verkauft. Es folgten
Massenentlassungen, Stundenerhöhungen ohne Lohausgleich etc.
- Löhne werden nicht immer gänzlich und selten zu den ausgemachten
Terminen ausbezahlt.
- Arbeitslose bekommen keinerlei öffentliche Unterstützung, was die
Prostitution fördert und dazu führt, dass immer häufiger arbeitslose
Eltern ihre Kinder umbringen.
- Medizinische Versorgung ist für NormalverdienerInnen unbezahlbar.
- Frauen sind im Iran Menschen zweiter Klasse, denen etliche Recht
vorenthalten werden.
- Kinderarbeit ist zwar illegal, gehört aber aufgrund der Armut trotzdem
zur Praxis. Kinder werden wie Sklaven behandelt, und oft kommt es zu
physischem und sexuellem Missbrauch.
Aus diesen und 1000 Gründen mehr gilt es die ArbeiterInnen im Iran zu
unterstützen.
Die iranischen MarxistInnen haben vor einem Jahr das "Iran Workers Solidarity Network" (IWSN) gegründet, das ArbeiterInnen in ihrem Kampf für ihre sozialen und politischen Rechte aktiv unterstützt. Das IWSN organisiert nun auch eine breite Kampagne in Solidarität mit den Angeklagten von Saghez. Diese KollegInnen brauchen unsere volle Unterstützung.
Am Montag, dem 20. September, gibt es einen internationalen Aktionstag, bei dem die sofortige Freilassung von Mahommed Saleki, Bohran Divengar, Jalal Hosseini, Esmail Khodkan, Mohsen Hakim, Hadi Abdi, Mohammed Abdi gefordert wird. Ein Erfolg dieser Kampagne würde den ArbeiterInnen im Iran mächtigen Auftrieb und Selbstbewusstsein geben und das islamistische Regime weiter in die Defensive bringen. Der internationale Druck kann dabei eine wichtige Rolle spielen.
Auch in Wien wird es deshalb zwischen 12 und 14 Uhr eine Protestaktion vor der iranischen Botschaft (Jauresgasse 9, 1030 Wien) geben.
Kommt alle und protestiert für die Freilassung unserer Kollegen aus Saghez!
Mehr Informationen über die Kampagne auf: www.marxist.com
Anmerkung: von Tania Napravnik, SJ Wien/Josefstadt